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 Interview mit Hacon

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Architekt
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BeitragThema: Interview mit Hacon   12.02.15 22:47 © Architekt

Hacon:  Ich verabredete mich mit der Lady in einem Pub, den ich auswählte und wo ich die Örtlichkeit sehr gut kannte, nur für den Fall, dass es sich um einen Hinterhalt handelte. Früher als notwendig gewesen wäre, machte ich mich auf den Weg, checkte die Umgebung und den Pub gründlich, bevor ich mir ein Guinness bestellte und auf die Lady mit den hoffentlich nicht allzu vielen Fragen wartete.

Nellie Blair: Die Idee, hochhackige Schuhe anzuziehen, erwies sich heute als die blödeste, die ich jemals hatte. Denn genau mit denen rannte ich die Second Avenue hinunter und kam dabei mehr als mir lieb war ins Straucheln. Die U-Bahnen waren streckenweise so voll gewesen – natürlich, war ja auch Feierabendbetrieb -, dass ich mitunter eine oder sogar zwei Bahnen später nehmen musste. Normalerweise war ich die Pünktlichkeit in Person. Aber es gab ja bekanntlich immer ein erstes Mal. Dumm nur, dass es ausgerechnet heute war. Ich hoffte inständig, dass mein Interviewpartner Geduld hatte und auf mich wartete. Am Telefon klang er zumindest sehr höflich und zuvorkommend. Heute sollte es also ein Irish Pub sein. Das Cloverleaf. So hieß die Location, in dem das Interview stattfinden sollte. Auf Wunsch meines Gesprächspartners. Und genau vor der stand ich jetzt. Abgekämpft und ein wenig derangiert. Mit den Fingern strich ich mir meine langen, haselnussbraunen Haare glatt und hoffte, dass ich nicht all zu sehr aussah, als wäre ich gerade frisch dem Bett entsprungen. Die einzige Beschreibung, die ich von dem Herren hatte, war, man könne ihn nicht übersehen. Eine grandiose Beschreibung. Denn das passte zu recht vielen Menschen. Vor allem hier in New York. Tief Luft holend betrat ich das Cloverleaf und ließ meinen Blick schweifen. Noch war es recht übersichtlich im Inneren, und so machte ich relativ zügig einen Hünen von einem Mann aus, der im hinteren Teil des Pub’s saß und an einem großen Glas Guinness nippte. Das musste er sein. Er hatte definitiv Recht, als er behauptete, dass man ihn nicht übersehen konnte. Zielstrebig ging ich direkt auf ihn zu und blieb neben ihm stehen.
„Mister MacKendra?“

Hacon: Die Tür behielt ich im Auge und ich warf zwischendurch einen Blick auf die Uhr. Die Lady war ziemlich spät dran, aber dem üblichen Verkehr, der um diese Zeit in New York herrschte, wunderte das mich nicht sonderlich. Ich nickte, als ich von einer Frau mit haselnussbraunem Haar angesprochen wurde.

Nellie Blair: „Ah, fantastisch. Bitte entschuldigen Sie meine Verspätung. Es tut mir wirklich schrecklich leid, wenn Sie warten mussten. Das ist eigentlich nicht meine Art, aber…ach, ich setze mich erstmal.“
Lächelnd reichte ich dem imposanten Mann meine Hand, während ich Platz nahm.
„Ich bin Nellie Blair. Danke, dass Sie Zeit gefunden haben.“

Hacon: Die Frau redete wie ein Wasserfall und für einen winzigen Moment fragte ich mich, ob es gesund war, so viel ohne Punkt und Komma und vor allen Dingen ohne Luft zu holen, zu reden.
„Kein Problem.“, erwiderte ich und ergriff ihre Hand, die sie mir hingestreckt hatte, jedoch achtete ich darauf, dass mein Händedruck nicht zu kräftig ausfiel, schließlich war ich weit davon entfernt, ihr die Hand zu brechen.

Nellie Blair: Meine Hand verschwand gänzlich in seiner und trotz der Kraft, die er ausstrahlte, war es nur ein Hauch von Druck, den ich spürte. Ich bestellte mir ein Wasser und legte das Diktiergerät auf den Tisch.
„Sind Sie soweit oder brauchen Sie noch einen Moment?“

Hacon: Ich trank einen Schluck Guinness und auf meiner Stirn bildete sich eine kleine Falte, während sie mich ernsthaft fragte, ob ich bereit sei für das Interview. Erhoffte sie sich wirklich offene, ehrliche und ausschweifende Antworten auf ihre Fragen? Kam ganz auf die Fragen an und darauf, wie ich gewillt war, sie zu beantworten. Aber fürs Erste nickte ich wieder, schob aber noch ein „Bereit“ hinterher, damit sie mein Nicken zweifelsfrei zuordnen konnte.

Nellie Blair: Irgendwie hatte ich so die dumpfe Vermutung, dass dieses Gespräch nicht besser ablaufen würde, als das letzte. Aber da mein Leben seltsamerweise nur aus harten Prüfungen bestand, war ich mir sicher, dass ich auch mit dieser hier umgehen konnte.
„Perfekt. Dann kommt auch hier schon die erste Frage. Sind Sie die Lieblingsperson von jemandem?“

Hacon: Für sie war es also 'Perfekt'. Aha. Sie hatte keine Ahnung, was genau auf sie zukam, aber ehrlich gesagt, ich auch nicht, also war ich zugegebenermaßen ein wenig gespannt auf ihre erste Frage, die auch nicht lange auf sich warten ließ. „Ja.“ Daran bestand nicht der geringste Anlass zum Zweifel. Ich war eindeutig die Lieblingsperson meines Bruders und umgekehrt genauso, aber das würde ich der Lady nicht auf die Nase binden.

Nellie Blair: „An welche zwei Menschen denken Sie in letzter Zeit häufig?“

Hacon: „An ein Familienmitglied und an einen Freund.“ Erneut trank ich einen Schluck Bier und musterte mein Gegenüber mit einem prüfenden Blick.

Nellie Blair: „Was können Sie Ihrer Meinung nach besser als die meisten Ihrer Freunde?“

Hacon: Bei dieser Frage musste ich fast schon anfangen zu lachen. Hallo? Ich war kein Mensch, also konnte ich so ziemlich alles besser, was ein Mensch konnte und die Größe meines Freundeskreises hielt sich dezent in Grenzen. Bei Jimbo war es eindeutig das Laufen. Der arme Kerl war an den Rollstuhl gefesselt und würde es bis an den Rest seines Lebens bleiben.
„Rennen.“

Nellie Blair: „Was machen Sie beruflich?“

Hacon: Ganz gewiss würde ich ihr nicht verraten, dass mein Bruder und ich der Besitzer des Mad Max waren, also musste ich mir etwas einfallen lassen.
„Metzger.“

Nellie Blair: Das passte so gar nicht zu ihm. Er sah viel eher aus, wie der geborene Rockstar.
„Was wollten Sie werden?“

Hacon: Ich atmete tief durch.
„Immobilienmakler.“

Nellie Blair: Na das passte ja nun noch weniger zu ihm.
„Warum sind Sie es nicht geworden?“

Hacon: „Die Immobilienkrise.“

Nellie Blair: Neben Ihrem aktuellen Beruf: Welche Tätigkeit beherrschen Sie so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?

Hacon: Meine Augenbrauen wanderten in Richtung Ansatz meiner Dreads und meine Mundwinkel zuckten, aber nur ganz kurz.
„Gut aussehen.“

Nellie Blair: Leicht schmunzelte ich in mein Glas hinein, als ich einen Schluck Wasser zu mir nahm. Damit würde er sicherlich verdammt viel Geld verdienen. So viel stand fest.
„Welche ist Ihre wichtigste Charaktereigenschaft in Bezug auf Ihren Beruf?“

Hacon: Roch ich da etwa einen Anflug von Erregung, der von ihr ausging, als ich ihre letzte Frage beantwortete? Nein, vermutlich täuschte ich mich, dass hier war ein Pub. Die Wände, der Boden, einfach alles hier roch nach allem Möglichem und Unmöglichem und es war schon schwer genug, diese Gerüche und den Gestank aus meinem Riechzentrum herauszuhalten. „Distanz wahren.“

Nellie Blair: Ich dachte, er sei Metzger? Inwieweit baute man denn ein inniges Verhältnis zu dem Schlachtvieh auf? Oder…nein, das war jetzt eklig. Nur nicht zu Ende denken.
„Können Sie sich besser mündlich oder schriftlich ausdrücken?“

Hacon: Fremden gegenüber konnte ich sehr wortkarg sein und wie sehr, dürfte sie zwischenzeitlich gemerkt haben, wenn sie nicht auf den Kopf gefallen war. Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass ich mich sehr wohl verbal auszudrücken vermochte und das auch schriftlich. Also bekam sie dieses Mal eine ehrliche Antwort.
„Beides gleich.“

Nellie Blair: „Wären Sie gerne schlanker, beweglicher, ausdauernder oder kräftiger?“

Hacon: „Ernsthaft?“
Ein wenig verständnislos sah ich sie an und anschließend an mir herunter. Tadellos. Nichts zu beanstanden. Alles fit. Alles im grünen Bereich.
„Nein. Passt alles.“

Nellie Blair: Abwehrend hebe ich beide Hände nach oben.
„Die Fragen stammen nicht aus meiner Feder. Sorry. Ihre Lieblingsmedizin?“

Hacon: Ich brummte kurz, als sie sich entschuldigte. Sie hätte besser daran getan, die Fragen vorher noch einmal durchzulesen, bevor sie sie stellte. Ich blieb freundlich, hielt das Glas hoch, schwenkte es leicht und antwortete breit grinsend. „Beantwortet das Ihre Frage?“

Nellie Blair: „Also Guinness.“
Letztendlich sprach ich es nur für das Diktiergerät aus, da die Technik leider noch nicht soweit fortgeschritten war, dass es ein Grinsen deuten konnte. Waren eigentlich alle Alkoholiker?
„Etwas, wonach Sie süchtig sind?“

Hacon: Ich nickte und zwinkerte ihr kurz zu, als sie das zum Ausdruck brachte, was ich ihr pantomimisch geantwortet hatte. Ihre nächste Frage brachte mich doch tatsächlich einen Augenblick ins Grübeln. Es gab so einiges, worauf ich nicht verzichten wollte, auch, wenn ich es nicht unbedingt als Sucht bezeichnen würde. „Kaffee und ab und zu ein Guinness.“

Nellie Blair: Und da war es wieder. Das Guinness.
„Ein Geruch aus Ihrer Kindheit.“

Hacon: Jetzt hieß es für mich Achtung! Vorsichtig sein mit der Antwort. Auf gar keinen Fall durfte ich ihr sagen, dass ich mich an den Geruch der Highlands erinnerte, meines Bruders und meine eigentliche Heimat. Danach hatte ich so viele andere Gerüche wahrgenommen, dass ich mich kaum noch daran erinnerte. „Rosenduft.“ War das erste, was mir einfiel.

Nellie Blair: „Welches ist der Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung?“

Hacon: „Meine Couch.“

Nellie Blair: Vermutlich mit einem Guinness.
„Zwei Komplimente, die Sie oft hören.“

Hacon: Ihre nächste Frage war nicht ganz so einfach zu beantworten. Mein Bruder und ich machten uns gegenseitig keine Komplimente und ansonsten gab es kaum jemanden, der uns mit solchen bedachte. Halt, dass stimmte nicht ganz. Die Frauen, die ich ins Visier gefasst hatte, um eine gewisse Ansammlung loszuwerden, waren begeistert von meinen Augen und von meinem Lachen.
„Du hast schöne Augen und ein ansteckendes Lachen...also nicht Sie...sondern ich.“, stellte ich vorsichtshalber noch einmal klar.

Nellie Blair: Ich musste leicht schmunzeln, als er mir mit seiner tiefen Stimme mitteilte, welche der Komplimente er oft hörte. Egal wer sie ihm gab, demjenigen konnte ich vorbehaltlos zustimmen. Zumindest bei den schönen Augen. Was das Lachen betraf – konnte er überhaupt herzhaft lachen?
„Schon klar.“, antwortete ich lachend. „Ich hätte das auch so verstanden. Welches bedeutet Ihnen mehr?“

Hacon: Ich nickte und lachte leise, damit sie eine Kostprobe davon erhielt, während ich nicht lange zu überlegen brauchte.
„Das Lachen.“
Es vereinfachte so einiges und das nicht nur im Bezug auf Frauen.

Nellie Blair: Oh – mein – Gott. Mit diesem Lachen konnte er nahezu jede Frau entwaffnen. Aber auch hier musste ich professionell bleiben. Dies hier war schließlich kein Blind Date, sondern ein Interview. Deshalb stellte ich flink die nächste Frage, in der Hoffnung, das Bild seines Lachens ganz fix wieder aus meinem Gedächtnis zu verbannen.
„Sind Sie bei Ihren Arbeitskollegen beliebt?“

Hacon: Meine Gesichtszüge wurden wieder ernster und ich strich mir mit der Hand durch meinen Bart und gleichzeitig durchzogen kleine Fältchen meine Stirn, während ich an einer Antwort herumfeilte. Denn im Grunde genommen hatte ich keine Arbeitskollegen, sondern Angestellte und meinen Bruder als gleichberechtigten Partner, aber das war etwas, was sie nicht unbedingt wissen musste, immerhin hatte ich ihr ja gesagt, dass ich Metzger war. Dass ich in Wirklichkeit gemeinsam mit meinem Bruder das  Mad Max betrieb, würde sie nie erfahren.
„Wir haben ein gutes, teilweise sogar freundschaftliches Verhältnis untereinander. Also ja.“ Das stimmte zwar nicht so ganz, war aber auch nicht gänzlich an den Haaren herbeigezogen.

Nellie Blair: „Was können Sie aktuell am meisten gebrauchen: Ausdauer, Ruhe, Mut, Fantasie?“

Hacon: Jetzt musste ich mir ein Lachen wirklich verkneifen. Sie hatte ja keine Ahnung, wie viel Ausdauer ich besaß. Mut ebenso. Und was die Fantasie anbelangte...auch die besaß ich zur Genüge. Allerdings gab es da etwas, was mir ab und an zu schaffen machte. Ich konnte selten ruhig sein, mein Bewegungsdrang war einfach zu groß, also fiel es mir nicht schwer, auf ihre Frage zu antworten.
„Ruhe. Alles andere habe ich in ausreichenden Mengen.“

Nellie Blair: Ruhe? Noch ruhiger und seine Atmung würde aussetzen, ging es mir durch den Kopf.
„Worin unterscheidet sich Ihr heutiger bester Freund von dem aus Ihrer Kindheit?“

Hacon: Ich gab ein kurzes, schnalzendes Geräusch von mir. Mein Bruder war immer mehr für mich als mein Zwilling gewesen, er war auch gleichzeitig mein bester und streckenweise sogar mein einziger Freund gewesen. In dem Leben, das wir lange Zeit führten, war es schwer gewesen, richtige Freundschaften zu schließen, dafür gab es von unserer Seite einfach zu viel zu beachten und das hatte sich bis heute nicht geändert. Nur Havoc, meinem Bruder, gegenüber konnte ich stets offen und ehrlich sein, und umgekehrt verhielt es sich genauso. Selbst bei Jimbo achtete ich beinahe auf jedes Wort, dass ich von mir gab, aber wir hatten eine gemeinsame Leidenschaft, die uns letztendlich auch miteinander verband und die so etwas wie der Grundstein unserer Freundschaft darstellte.
„Die Leidenschaft zu Motorrädern.“
Mein Bruder konnte nicht nachvollziehen, was ich an den Zweirädern fand, Jimbo dagegen schon.

Nellie Blair: „Wovon haben Sie überhaupt keine Ahnung?“

Hacon: „Vom Stricken.“, erwiderte ich lachend.

Nellie Blair: Und da war es wieder. Dieses Lachen. Meine Güte, dafür bräuchte er aber auch einen Waffenschein.
„Was würden Sie gerne erlernen?“

Hacon: „Stricken?!“, erwiderte ich mit gespielt ernster Miene, die ich jedoch nicht lange aufrecht erhalten konnte und deshalb winkte ich grinsend ab, bevor ich noch einen Schluck trank. Mit dem Zeigefinger wischte ich mir anschließend den Schaum aus dem Bart und schüttelte leicht den Kopf.
„Nein, ernsthaft. Wie man Häuser baut, das würde ich gerne erlernen.“

Nellie Blair: „Eine Person, die Sie gern besser kennen lernen würden.“

Hacon: „Gibt es derzeit nicht.“
Das entsprach absolut der Wahrheit. Falls und wenn mir jemals meine Gefährtin begegnen sollte, wäre das genau die Person, die ich zwingend besser kennen lernen würde.

Nellie Blair: „Eine Person, bei der Sie sich entschuldigen müssen.“

Hacon: „Gibt es noch viel weniger.“
Ich hatte keinen Grund mich bei irgendjemandem für irgendetwas zu entschuldigen.

Nellie Blair: „Eine Person, der Sie vertrauen.“

Hacon: „Meinem Bruder.“
Schlicht, ergreifend und absolut die Wahrheit. Es gab niemandem auf dieser Welt, dem ich mehr vertraute, als ihm und das in jeder Beziehung.

Nellie Blair: „Eine Person, auf die Sie stolz sind.“

Hacon: „Mein Bruder.“
Auch da gab es für mich nicht den geringsten Zweifel.

Nellie Blair: Seinen Bruder sollte ich vielleicht auch zu einer kleinen Fragestunde einladen. Vielleicht ist der ja etwas redseliger.
„Eine Reise, die Sie verändert hat.“

Hacon: „Alle meine Reisen haben mich auf die eine oder andere Art und Weise verändert. Im positiven Sinne natürlich, einschließlich der verschiedenen Eindrücke, der fremden Sprache und nicht zuletzt die Sehenswürdigkeiten, die es ja überall gibt“.

Nellie Blair: „Welche Art Frau steht typischerweise auf Sie?“

Hacon: Aufgrund ihrer Frage räusperte ich mich leicht verlegen.
„Alle.“, antwortete ich dann etwas leiser. Bislang war ich noch nie einer Frau begegnet, die mich von der Bettkante geschubst hätte, eher das Gegenteil war der Fall.

Nellie Blair: Meine Augenbraue zog sich wie von selbst nach oben. Alle also. Er war definitiv ein Hingucker, keine Frage, aber warum mussten Männer mit einem guten Aussehen immer so unter Selbstüberschätzung leiden?
„Auf wen stehen Sie?“

Hacon: „Kein bestimmter Typ Frau.“
Ich würde erst dann wirklich auf jemanden stehen und meine Besitzansprüche bei der 'Einen' geltend machen, die meine auserkorene Gefährtin war. Bis dahin tobte ich mich hin und wieder etwas aus, und da war es mir schlicht und ergreifend egal, ob die Frau brünette, blonde oder schwarze Haare hatte. Hauptsache, sie war gepflegt und ich konnte sie sprichwörtlich riechen.

Nellie Blair: Ach, ein Mann, der sich nicht festlegen kann oder will.
„Ein Wort, das Ihr Sexleben beschreibt.“

Hacon: „Nächste Frage.“
Das ging mir doch ein wenig zu sehr ins Detail und wie sich mein Sexleben beschreiben ließ, ging sie überhaupt nichts an. Sicher, ich hätte auch 'animalisch' sagen können, aber ich war davon überzeugt, dass ihre Fantasie dann sofort anfangen würde auf Hochtouren zu laufen.

Nellie Blair: „Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage. Ist gerade die beste Zeit Ihres Lebens und wenn ja, warum und wenn nicht, wieso nicht?“

Hacon: Wow, ich konnte es kaum fassen, wir waren wirklich am Ende des Interviews angekommen? Innerlich atmete ich tief durch. Einige Fragen hatte ich zugegebenermaßen nicht ehrlich beantwortet, aber wen interessierte das schon. Sie würde ohnehin nie erfahren, welcher meiner Antworten der Wahrheit entsprachen und welche nicht. Aber in dem Zusammenhang kam mir ein Gedanke, über den ich erst leicht schmunzelte, dann jedoch herzhaft Lachen musste. Innerlich natürlich. Schließlich sollte Nellie nichts davon mitbekommen. Aber zuerst einmal beantwortete ich ihre letzte Frage.
“Im Leben gibt es immer ein Auf und Ab. Bei mir läuft es im Moment recht gut und aktuell ist das vielleicht die beste Zeit meines Lebens, aber wer weiß was morgen ist...vielleicht erlebe ich ja morgen oder nächste Woche eine Zeit, von der ich in vielen Jahren mal behaupten kann, dass sie die beste Zeit gewesen war.“
Sie konnte ja nicht einmal ansatzweise ahnen, dass ich bereits 309 Jahre auf dem Buckel hatte und es somit eine Menge Zeiten für mich gab, die teilweise gut und teilweise schlecht waren.
Aber wieder zurück zu meinem Gedanken, der mir vor wenigen Sekunden durch den Kopf geschossen war und über den ich mich köstlich amüsierte. Bevor ich jedoch damit herausrückte, trank ich noch einen Schluck, dann sah ich Nellie mit einem recht intensiven Blick an und beugte mich leicht nach vorne.
“Sie wissen ja nun, dass ich einen Bruder habe. Ich bin ziemlich sicher, dass er sich darüber freuen würde, wenn Sie ihn auch interviewen und dieselben Fragen stellen würden.“
Gedanklich stellte ich mir meinen ach so 'redseligen' Bruder vor und wie er auf mich fluchte, weil ich ihn überredet hatte, dieses Interview zu führen. Ab und zu spielte ich meinem Zwillingsbruder gerne einen Streich, und dieses Interview anzuleiern, fiel definitiv in diese Kategorie. Es war schwer meine Mundwinkel im Zaum zu halten und noch viel schwerer fiel es mir, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Wie ich es schaffte ernst zu bleiben, wusste ich nicht, aber es gelang mir irgendwie.
“Übermorgen in der Jefferson Market Branch Library. Sie wissen, wo das ist? Gut. 15.00 Uhr. Mein Bruder wird da sein. Versprochen.“
Ich musste ihn nur dazu überreden und sobald ich nachher nach Hause kam, würde ich damit beginnen. Ich erhob mich, zog einen grünen Schein aus der Hosentasche, legte ihn auf den Tisch und nickte ihr zum Abschied noch einmal zu.
„Übrigens, Sie werden auf Anhieb erkennen, dass es sich um meinen Bruder handelt.“
Ohne ihre Antwort oder ihre Reaktion abzuwarten, wandte ich mich von ihr ab und ging durch die Tür nach draußen.

Nellie Blair: Eine ganze Weile blieb ich noch sitzen und ließ das Interview Revue passieren. Das Auswerten der Antworten würde nicht nur Zeit raubend, sondern auch Kräfte zehrend werden, denn irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass man beim Beantworten der Fragen entweder flunkerte oder um den heißen Brei herum redete. Aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein und bei einem erneuten Anhören der Interviews würde meine Skepsis unbegründet bleiben. Während ich mein Wasser austrank, notierte ich mir in meinem Kalender den Termin für übermorgen in der Bibliothek. Zugegebenermaßen war ich wirklich gespannt auf den anderen MacKendra. Der Name und auch der Akzent, der deutlich während des Gespräches heraus zu hören war, deuteten darauf hin, dass beide Schotten sind. Bisher hatte ich noch nie welche getroffen, bis auf den Hünen heute, aber wie man mir erzählte, sollen sie ein sehr interessantes Völkchen sein. Was man sich allerdings auch über die Schotten erzählte, dass sie eigentlich nicht gerade besonders groß waren. Nun, das Exemplar heute gehörte definitiv nicht dazu. Er war weit über zwei Meter groß gewesen. Größer, als jeder Mann, den ich bisher gesehen hatte. Seine Familie neigte wohl zu Riesenwuchs. Ob sein Bruder ebenfalls solche Ausmaße hatte, würde ich in Bälde erfahren.
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